Neues aus dem Gruselkabinett des Fernsehns

Mai 17, 2009

Genauer gesagt, Neues von RTL.

Diese Woche gab es erstmals einen Aufschrei gegen die neue Serie „Erwachsen auf Probe“. Aufschrei? Nun gut. In wenigen Zeitungen wurde darüber berichtet. Großer Protest sieht anders aus.

Aber zurück zum Anfang. Worum geht es in der Serie? Babys (ja, Babys, hilflose, schutzbefohlene Kleinstkinder) werden für vier ganze Tage und Nächte zu Teenangerpaaren gegeben, die dann mal austesten sollen, wie das so ist mit kleinen Kindern. Dass man sich da viel kümmern muss. Liebe geben muss. Etc. Also das, was die Eltern der Babys, die da zur Verfügung gestellt werden, nicht tun.

„Erwachsen auf Probe“ nennt sich der Schwachsinn. Der Kinderschutzbund hat starke Bedenken angemeldet, aber die FSK hat der Serie sogar positive pädagogische Absichten attestiert. Hallo???? Gekauft oder wie?

Aber vielleicht darf man in einem Land, wo Teenanger-Amokläufer als heroisch dargestellt werden und Leichen so zusammengebaut werden, als hätten sie Sex, auch nicht so viel erwarten? Ich bin der Meinung – Moralisch auf Probe sollte mal die obere RTL Führungsriege werden. Und wenn sie den Kurs schon machen, können sie die Chefredakteure der Bild gleich mitnehmen.


Lust auf Sommer – Filme

Mai 17, 2009

Nach einer eher durchwachsenen Woche was das Wetter betrifft (man ist schon fast versucht Trost bei der Heizung zu suchen) fahre ich einfach mal fort mit den potenziellen Sommerhits des Jahres 2009 – diesmal mit den Filmen.

Es gibt so viele, auf die ich mich freue – einer der am heiß ersehntesten, Bruno, ist leider nicht verlinkbar…


Da tun sich Abgründe auf

Mai 6, 2009

Erinnert sich noch jemand an „Körperwelten“? Das war die Ausstellung präparierter Leichen, auch ein Fötus war damals dabei. Wissenschaftlich sollte das Ganze sein, aufklärend, lehrreich. Nein, mit Populismus und Sensationsgeilheit hatte die Ausstellung – so der damalige Tenor – doch bei Gott nichts zu tun.

Nun. Zeiten ändern sich. Ausstellungen auch. Und weil präparierte Leichen (nein, ich kann einfach nicht „präparierte Körper“ schreiben, das abstrahiert mir zu stark den Fakt, dass dort wirkliche Menschen zu sehen sind, die vor einiger Zeit noch lebten, gelacht haben, gefühlt haben) in Zeiten von monatlichen Amokläufen und schockierenden Bildern niemanden mehr anziehen – und der erste Sensationseffekt nun auch vorbei ist – hat man sich doch gleich dazu entschlossen, neue Grenzen zu überschreiten.

Dass man sich mit der Grenzüberschreitung geradewegs in den Abgrund des guten Geschmacks, des guten Stils, oder einfach der Menschlichkeit stürzt, ist wohl egal: Es werden zwei präparierte Leichen beim Sex gezeigt.

Wo ist hier der wissenschaftliche, aufklärende, lehrreiche Faktor?

Was zeigen uns zwei Leichen, so zugerichtet, was man nicht auch zu Hause, auf YouPorn oder im Biologiebuch sehen kann? Oder auch: was zeigen uns Poker spielende Leichen? Schach spielende Leichen? Betende Leichen? Alles zu sehen in Berlin.

Trauriges Deutschland, dass so eine Ausstellung überhaupt stattfinden kann. Denn da hört Kunst, Provokation oder was auch immer sich diese Ausstellung schimpfen will, ganz einfach auf. Diese zwei Leichen, diese zwei Persönlichkeiten, werden so auf ihre Körper reduziert, auf ihr präpariertes Fleisch, auf den Akt an sich… ich will mir das gar nicht vorstellen.

Und wieder ist der Punkt erreicht, an dem Deutschland wieder ein Stückchen abstumpfen wird.


Unwort des Jahres: Schweinegrippe

Mai 4, 2009

Meine Güte. Ich habe selten, so eine sinnlose, ungerechtfertigte, maßlose, populistische Panikmache wie zur Schweinegrippe erlebt. Vielleicht habe ich ähnliches auch noch nie erlebt.

Jeden Tag neue News: bald soll es einen Impfstoff geben, die eine zweite Welle wird doch gleich befürchtet und überhaupt, Muslime triumphieren da die Schweinegrippe den Niedergang des Katholizismus belegt. Aber gibt es ihn noch, den seriösen Journalismus? Ein Aufruf. Und Richtigstellung.

Behauptung #1: Der „Schweinegrippe“-Erreger ist aggressiv und eine Epidemie droht.

Implizierte Nachricht: Jeder ist potenziell betroffen, bald könnte sie die ganze Welt erfassen und wir sitzen alle schniefend und hustend vorm PC.
Wahrheitsgehalt: Von einer Epidemie spricht man, wenn mehr als 10% der Bevölkerung betroffen sind. Jährlich infizieren sich 4-10% der Bevölkerung in Deutschland mit Grippe-Erregern (das wären dann zwischen 3 und 8 Millionen Menschen in Deutschland) und davon sterben – je nach Quelle – zwischen 5.000 und 15.000 Menschen (ein minimaler Prozentsatz). Als Relation dazu – es sind 1003 Menschen weltweit infiziert, d.h. lediglich erkrankt. Nachgewiesen infiziert. Kann man sich diesen Vergleich einmal auf der Zunge zergehen lassen…? Weiter gehts. Das Virus könnte ja tödlicher sein als bisher bekannte Grippe-Erreger. Bisherige Todesfälle: sieben. Dazu ein schönes Zitat: normalerweise wird die Dunkelziffer auf das Zehnfache der Ansteckungsfälle geschätzt. [In unserem Fall mit 1003 Ansteckungen wären dass dann 10.000 Infizierte]. 7 Tote bei so vielen Ansteckungen, wären da eher wenig, rechnet Experte Kekulé «Spiegel online» vor. Das sei weniger als bei einer normalen Grippe. Auch wenn der Experte im Beispiel mit 25.000 Infizierten rechnet – ich denke 0.07% ist doch noch recht wenig!!!

Fazit: weder droht eine Epidemie, noch ist das Virus sonderlich aggressiv.

Behauptung #2: Ein Impfstoff ist notwendig um die Ausbreitung zu stoppen, der Erfolg ist jedoch gefährdet, da der Erreger mutieren könnte.

Impliziert: es gibt kein Entkommen! Täglich könnte ein neuer mutierter Virus uns alle vernichten.
Wahrheitsgehalt: Hat sich schon mal jemand gefragt, warum man sich jedes Jahr neu impfen lassen muss gegen Grippe? Weil das Virus jedes Jahr mutiert. Jedes Jahr. Und es sind mehrere Grippeviren in Umlauf, deswegen kann man sich trotz Impfung eine fiese Grippe holen. Nachrichtsgehalt dieser Meldung ist also nicht nur irreführend sondern auch so schlecht recherchiert und panikmachend, dass es schon fast peinlich ist!

Fazit: viel heiße Luft um Nix. Ist das Sommerloch schon da?

Nun. Wahrscheinlich ist nächste Woche die halbe Tierwelt bedroht, weil sich irgendwo in Kalkutta ein Pinguin von einem Schwein angesteckt hat. Vielleicht ist es aber auch einfach nur Schwachsinn. In jedem Fall – eine zweite Meinung sollte in jedem Fall eingeholt werden. Vielleicht aber auch eine dritte, vierte oder zehnte.


Kleine große Freuden

Mai 3, 2009

Gestern waren wir bei Rhein in Flammen in Bonn. Für die, die es nicht kennen – es gibt ein etwas halbstündiges Feuerwerk und tausende Menschen strömen an die Rheinufer um bei Kirmesatmospähre oder – und da waren wir – auf der anderen Rheinseite, etwas alternativer, bei Lagerfeuer, Gitarre und Grillwurst das Feuerwerk zu genießen.

Alex sagte etwas sehr wahres – dass sich die Leute doch noch für so etwas eigentlich einfaches begeistern können. Und neben der ganzen Panikmache täglich in den Medien – von Schweinegrippe, Attentaten und fliegenden Körpern bis hin zum nur knapp abgewandten Ruin des FC Bayern – ist das doch etwas Wunderbares.

Mehr Zeit zum Genießen und mehr Zeit für Schönes. Für die kleinen Dinge.

Ob die Welt etwas besser wäre, wenn wir uns alle hier und da so einen Moment nehmen würden? Zum Ausprobieren ein paar Fotos von gestern…

dsc_0138

dsc_0139dsc_01591