Erinnert sich noch jemand an „Körperwelten“? Das war die Ausstellung präparierter Leichen, auch ein Fötus war damals dabei. Wissenschaftlich sollte das Ganze sein, aufklärend, lehrreich. Nein, mit Populismus und Sensationsgeilheit hatte die Ausstellung – so der damalige Tenor – doch bei Gott nichts zu tun.
Nun. Zeiten ändern sich. Ausstellungen auch. Und weil präparierte Leichen (nein, ich kann einfach nicht „präparierte Körper“ schreiben, das abstrahiert mir zu stark den Fakt, dass dort wirkliche Menschen zu sehen sind, die vor einiger Zeit noch lebten, gelacht haben, gefühlt haben) in Zeiten von monatlichen Amokläufen und schockierenden Bildern niemanden mehr anziehen – und der erste Sensationseffekt nun auch vorbei ist – hat man sich doch gleich dazu entschlossen, neue Grenzen zu überschreiten.
Dass man sich mit der Grenzüberschreitung geradewegs in den Abgrund des guten Geschmacks, des guten Stils, oder einfach der Menschlichkeit stürzt, ist wohl egal: Es werden zwei präparierte Leichen beim Sex gezeigt.
Wo ist hier der wissenschaftliche, aufklärende, lehrreiche Faktor?
Was zeigen uns zwei Leichen, so zugerichtet, was man nicht auch zu Hause, auf YouPorn oder im Biologiebuch sehen kann? Oder auch: was zeigen uns Poker spielende Leichen? Schach spielende Leichen? Betende Leichen? Alles zu sehen in Berlin.
Trauriges Deutschland, dass so eine Ausstellung überhaupt stattfinden kann. Denn da hört Kunst, Provokation oder was auch immer sich diese Ausstellung schimpfen will, ganz einfach auf. Diese zwei Leichen, diese zwei Persönlichkeiten, werden so auf ihre Körper reduziert, auf ihr präpariertes Fleisch, auf den Akt an sich… ich will mir das gar nicht vorstellen.
Und wieder ist der Punkt erreicht, an dem Deutschland wieder ein Stückchen abstumpfen wird.