Ich weiß, ich mache mich unbeliebt…

November 15, 2009

…aber das mit Enke ist doch nicht euer Ernst?!?!

Eine Witwe, die weniger als 24 Stunden nach dem Selbstmord ihres Mannes vor Kameras erscheint.

Ein Sarg, der vor Zehntausenden Menschen in ein Stadion gerollt wird.

Ein Mensch, dessen Kräfte in den letzten Jahren dafür draufgingen, seine Erkrankung zu verstecken und nun öffentlich so dargestellt wird.

Und Medien, denen wohl wirklich nichts zu respektlos ist.

Unfassbar, wie man all das als selbstverständlich akzeptieren kann.

Ja, man soll trauern. Ja, jeder auf seine Art. Aber das? Sondersendung, Sonderpressekonferenz, noch mal auf die Tränen gezoomt, Sondersargaufbahrung. Sonderbar.


Neues aus dem Gruselkabinett des Fernsehns

Mai 17, 2009

Genauer gesagt, Neues von RTL.

Diese Woche gab es erstmals einen Aufschrei gegen die neue Serie „Erwachsen auf Probe“. Aufschrei? Nun gut. In wenigen Zeitungen wurde darüber berichtet. Großer Protest sieht anders aus.

Aber zurück zum Anfang. Worum geht es in der Serie? Babys (ja, Babys, hilflose, schutzbefohlene Kleinstkinder) werden für vier ganze Tage und Nächte zu Teenangerpaaren gegeben, die dann mal austesten sollen, wie das so ist mit kleinen Kindern. Dass man sich da viel kümmern muss. Liebe geben muss. Etc. Also das, was die Eltern der Babys, die da zur Verfügung gestellt werden, nicht tun.

„Erwachsen auf Probe“ nennt sich der Schwachsinn. Der Kinderschutzbund hat starke Bedenken angemeldet, aber die FSK hat der Serie sogar positive pädagogische Absichten attestiert. Hallo???? Gekauft oder wie?

Aber vielleicht darf man in einem Land, wo Teenanger-Amokläufer als heroisch dargestellt werden und Leichen so zusammengebaut werden, als hätten sie Sex, auch nicht so viel erwarten? Ich bin der Meinung – Moralisch auf Probe sollte mal die obere RTL Führungsriege werden. Und wenn sie den Kurs schon machen, können sie die Chefredakteure der Bild gleich mitnehmen.


Da tun sich Abgründe auf

Mai 6, 2009

Erinnert sich noch jemand an „Körperwelten“? Das war die Ausstellung präparierter Leichen, auch ein Fötus war damals dabei. Wissenschaftlich sollte das Ganze sein, aufklärend, lehrreich. Nein, mit Populismus und Sensationsgeilheit hatte die Ausstellung – so der damalige Tenor – doch bei Gott nichts zu tun.

Nun. Zeiten ändern sich. Ausstellungen auch. Und weil präparierte Leichen (nein, ich kann einfach nicht „präparierte Körper“ schreiben, das abstrahiert mir zu stark den Fakt, dass dort wirkliche Menschen zu sehen sind, die vor einiger Zeit noch lebten, gelacht haben, gefühlt haben) in Zeiten von monatlichen Amokläufen und schockierenden Bildern niemanden mehr anziehen – und der erste Sensationseffekt nun auch vorbei ist – hat man sich doch gleich dazu entschlossen, neue Grenzen zu überschreiten.

Dass man sich mit der Grenzüberschreitung geradewegs in den Abgrund des guten Geschmacks, des guten Stils, oder einfach der Menschlichkeit stürzt, ist wohl egal: Es werden zwei präparierte Leichen beim Sex gezeigt.

Wo ist hier der wissenschaftliche, aufklärende, lehrreiche Faktor?

Was zeigen uns zwei Leichen, so zugerichtet, was man nicht auch zu Hause, auf YouPorn oder im Biologiebuch sehen kann? Oder auch: was zeigen uns Poker spielende Leichen? Schach spielende Leichen? Betende Leichen? Alles zu sehen in Berlin.

Trauriges Deutschland, dass so eine Ausstellung überhaupt stattfinden kann. Denn da hört Kunst, Provokation oder was auch immer sich diese Ausstellung schimpfen will, ganz einfach auf. Diese zwei Leichen, diese zwei Persönlichkeiten, werden so auf ihre Körper reduziert, auf ihr präpariertes Fleisch, auf den Akt an sich… ich will mir das gar nicht vorstellen.

Und wieder ist der Punkt erreicht, an dem Deutschland wieder ein Stückchen abstumpfen wird.